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ExpertenWiki Demografie & Verwaltung 2035Bearbeiten

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Für die Messe MODERNER STAAT fertigt die Prognos AG jährlich den Zukunftsreport MODERNER STAAT an. Der diesjährige Zukunftsreport beschäftigt sich mit Antworten der Verwaltung auf die Herausforderungen des demografischen Wandels im Jahr 2035. Im Folgenden möchten wir aufbauend auf den Ergebnissen der durchgeführten Bürger/- innenbefragung erste Thesen, wie die Antworten der Verwaltung auf die Herausforderungen des demografischen Wandels im Jahr 2035 aussehen werden, zur Diskussion stellen. Die Thesen sind teilweise bewusst plakativ formuliert. Ziel dieses Experten-Wikis ist es, die nachfolgend formulierten Thesen zu diskutieren, um so die Wahrscheinlichkeit des Eintretens zu bestimmen. Untenstehend finden Sie die aufgestellten Thesen in Kurzform. Durch Klick auf den Button „mehr“ haben Sie die Möglichkeit, die komplette These zu sehen. Sie haben dann bei jeder These die Möglichkeit, diese zu ändern, weiterzuentwickeln, Beispiele anzufügen oder zu kommentieren. Dabei können Sie sich an folgenden Leitfragen orientieren:Bearbeiten


- Welche anderen Lösungen / Herausforderungen in den genannten drei Themenbereichen sehen Sie?


- Wie schätzen Sie die Umsetzung der genannten Lösungen ein?


1. Der demografische Wandel zwingt die Verwaltung zu Änderungen in der Art der Aufgabenwahrnehmung und einem veränderten Blick auf die Bürger-bzw. Kundenorientierung: Auf kommunaler Ebene nimmt die Erbringung von Backoffice-Leistungen durch (Land)Kreise und Verwaltungsverbünde weiter zu, während einzelne Kommunen als „örtliche Niederlassungen“ schwerpunktmäßig als direkte Anlaufstelle für Politik und Bürger/-innen fungieren. Die Präsenz von Verwaltung in der Fläche mit Blick auf die steigende Altersstruktur der Bevölkerung, insbesondere aber auch von staatlicher Exekutivgewalt wird nicht abnehmen.Die Anforderungen an Serviceleistungen werden sich mit einem Wandel eben dieser Altersstruktur verändern. Der zweigliedrigen Landesverwaltung gehört die Zukunft; d.h. das Modell Mecklenburg-Vorpommern (Landesebene, wenige staatliche Sonderbehörden wie Steuern und Finanzen oder Polizei, im übrigen Zuständigkeit der Kreisebene als allgemeine Verwaltung (für staatliche und kommunale Aufgaben); unterhalb der Kreisebene Gemeindeverwaltung für bürgernahe Wahrnehmung von staatlichen und kommunalen Aufgaben). mehr


2. Klare und einfache Entscheidungsstrukturen, die Tranparenz schaffen, sind bei Zukunftsthemen notwendig. Dazu gehört, dass bei vom demografischen Wandel betroffenen Bereichen geprüft werden muss, ob eine Steuerung aus einer Hand Vorteile gegenüber aufgeteilten Verantwortlichkeiten hat. mehr


3. Der demografische Wandel wird in allen Bereichen der politischen Steuerung Berücksichtigung finden. Jede Entscheidung muss die demografischen Auswirkungen auch unter den Aspekten von Gender und Vielfalt im allgemeinen in Betracht ziehen. Ferner ist die Zusammensetzung der Bevölkerung nach Abstammung, kulturellem und religiösem, sprachlichen und bildungsmäßigem Hintergrund stärker zu berücksichtigen. Das gilt auch für die Rekrutierung des öffentlichen Personals (Erhöhung des Anteils der öffentlich Beschäftigten mit sogen. Migrationshintergrund, eingebunden als Ziel des Nationalen Aktionsplans).Ein professionelles Diversity Management darf in wirtschaft und Verwaltung kein "Tabu-Thema" bleiben mehr


4. Es muss sofort gehandelt werden. Alle Aufgaben gehören auf den Prüfstand, allerdings im Rahmen einer klassischen Aufgabenkritik, d.h. mit offenem Ausgang, ob eine Aufgabe weiter geführt oder ob sie in effizienterer und effektiverer Form geleistet werden kann. Wichtige, von Bürger oder Verwaltung priorisierte Aufgaben müssen mit entsprechendem Personal ausgestattet werden.Dabei ist auf eine "gesunde" Altersstruktur der Belegschaft zu achten-(alters)gemischte Teams, um Innovationsfähigkeit und Erfahrung für die Behörden zu nutzen. Nachwuchskräfte sind mit Blick auf den Fachkräftemangel rechtzeitig zu rekrutieren (antizyklisches Verhalten). Das kann zu höheren Kosten führen, sodass Steuern und Abgaben erhöht werden. Es hängt sehr stark von der gesellschaftspolitischen Diskussion ab, was als öffentliche Aufgabe weiter geführt werden soll. Diese Diskussion kann zum Ergebnis haben, dass der Umfang der öffentlichen Aufgaben steigt mit der Folge, dass Steuern, Gebühren und Abgaben absolut und relativ steigen.Ebenso sind Synergieeffekte verschiedener politischer Kampagnen zu überprüfen, um Ressourcen angemessen zu steuern. mehr


5. Es muss verhindert werden, dass freiwillige kommunale Aufgaben bis zum Jahr 2035 zum großen Teil nicht mehr von der Kommune selbst wahrgenommen werden, sondern durch private Anbieter . Denn wenn Bürger/-innen für die Angebote selber aufkommen (bspw. Sportstätten, Kultureinrichtungen) müssen, besteht die Gefahr des Ausschlusses eines großen Teild der Bevölkerung von derartigen Leistungen (Exklusion) und es besteht die Gefahr einer Spaltung der Gesellschaft ("Amerikanisierung"). Gesellschaftliches Engagement ist auf allen Ebenen zu stärken und für Wirtschaft und Verwaltung (operativ und personalpolitisch) zu nutzen.mehr


6. Es müssen Anreizstrukturen für die Erzielung von Spareffekten geschaffen werden, und das auf kommunaler Ebene auch für Kommunen, die sich derzeit in der Haushaltssicherung befinden. Es gibt vielfältige Formen der effizienteren Erbringung von Verwaltungsleistungen (z.B. kommunale Kooperationen; Funktionalreform; Erbringung durch ausgelagerte - öffentliche - Dienstleistungsagenturen).mehr


7. Die jährliche Finanzplanung ist angesichts der mittel- und langfristigen Herausforderungen (insbesondere der demografische Wandel) stärker aus der mittelfristigen Finanzplanung zu entwickeln. Im Jahr 2035 wird jedes neu gewählte Parlament / jeder neue gewählte Gemeinde-/Stadtrat einen Aufgaben- und Finanzplan vorlegen, der über die gesamte Legislaturperiode reicht. Abweichungen bei der jährlichen Finanzplanung bedürfen einer besonderen Begründung. mehr


8. Zuweisungsschlüssel müssen auf der Basis der tatsächlichen Kostentreiber berechnet werden, nicht allein auf der Basis von Einwohnerzahlen. mehr


9. Auf die Personalpolitik des staatlichen Arbeitsmarktes wirkt sich der demografische Wandel in mehrfacher Hinsicht aus .mehr

a) Die im Vergleich zur Wirtschaft höhere Altersstruktur bedingt die Entwicklung eines ganzheitlichen Ansatzes im Personalmanagement und den Aufbau eines systematisch betriebenen Demografiemanagements mit dem Ziel, die Beschäftigungsfähigkeit der Mitarbeiter u.a. über eine altersunabhängige Kompetenzentwicklung und ein auf Prävention ausgerichtetes Gesundheitsmanagement zu fördern.Arbeitsbedingungen sollten alters-und alternsgerecht gestaltet werden.

b) Der demografische Wandel mit seinen facettenreichen Auswirkungen sowie der allgemeine Wertewandel erfordern ein verändertes Verständnis der Kultur von Führung und Zusammenarbeit , um Talente nicht nur zu gewinnen sondern auch zu halten.Insofern benötigt die Verwaltung auch ein verändertes Verständnis von Führung und Zusammenarbeit.

c)Die Belegschaften in der öffentlichen Verwaltungen werden nicht nur älter sondern insgesamt mehr von Vielfalt geprägt sein. Demografiemanagement wird zum aktiven Bestandteil eines proaktiven Diversity Managements in der Verwaltung. Kunden-und Serviceorientierung sowie Mitarbeiterorientierung gehen mit Blick auf das Image der Verwaltung "Hand in Hand" zusammen.

d) Mit einer an Lebensphasen orientierten Personapolitik im Rahmen eines professionellen Diversity Managements können verschiedene Herausforderungen, wie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Privatleben, unterschiedliche partnerschaftliche Lebensmodelle, veränderte nicht mehr linear verlaufende Erwerbsbiografien, Gender Pay Gap in der Lebensphasenperspektive, Gesundheitsmanagement sowie die Vielfalt im Personalkörper in einem ganzheitlichen Ansatz gemeistert werden.

e) Infolge von Nachfrageverschiebungen ändern sich Aufgabenzuschnitte und damit Qualifikationsanforderungen des Verwaltungspersonals. Der staatliche Arbeitsmarkt wird auf diese Veränderungen bei tendenziell sinkenden Einnahmen aufgrund des Prinzips der Lebenszeitbeschäftigung nur mit Entwicklungsmaßnahmen des bestehenden Personals reagieren können: Entwicklungsmöglichkeiten werden gefördert und die Flexibilität des Personaleinsatzes durch verbesserte Abordnungs- und Verlagerungsmöglichkeiten zu anderen Dienstherren erhöht.

f) Infolge der bevorstehenden Pensionierungs-/Verrentungswellen im öffentlichen Dienst bei gleichzeitigem Fachkräftemangel wird ein Schwerpunkt der strategischen öffentlichen Personalpolitik auf der Rekrutierungspolitik und auf einem aktiven Personalmarketing liegen, um wettbewerbsfähig zu bleiben (Employer Branding): Die ändert sich durch eine Öffnung und Flexibilisierung des staatlichen Arbeitsmarktes: „(personnel) structure follows demography“.


10. Sonstiges zu den drei Themenbereichen Organisation, Personal und Finanzen.

a) Anreizstrukturen und Voraussetzungen für ein (modulares) Qualifizierungssystem schaffen, um Lebenslanges Lernen und die Eigenverantwortung für die Beschäftigungsfähigkeit  zu fördern.Die Individualisierung in der Personalentwicklung wird insgesamt zunehmen.

b) Anreize für die Einführung eines professionellen Gesundheitsmanagement in den Behörden fördern und dafür benötigte Ressourcen ggf. umschichten und bereitstellen.

c) Stärkere Öffnung für externe "Talente" und verstärkter Personaltausch (insbesondere in Leitungs-und Führungsfunktionen) mit der Wirtschaft -s. Beispiel Frankreich

d) Aspekte der Internationalisierung und Europäisierung verändern auch das Aufgaben-und Serviceportfolio der Verwaltung. 

e)Emotionale Bindung und damit Motivation und Arbeitszufriedenheit fördern -Engagement erhöhen mehr

f) Stärkung der Arbeitgeberattraktivität-Verwaltung als attraktive Arbeitgebermarke


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